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Auf Livenet.ch ist ein Artikel zum Thema «Perfektionismus: Der Beziehungskiller für Familien» erschienen, den ich sehr empfehle zu lesen. Darin steht am Anfang:

Die meisten Eltern sind sich darüber einig: Unser Kind braucht gute Schulnoten! Die Begründung liegt auf der Hand: In unserer Gesellschaft ist Leistung ein Muss und gleichzeitig der Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Doch perfektionistische Ansprüche sind ein Beziehungskiller.

Darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. Ich hoffe sehr, dass meine Kinder (vorausgesetzt ich habe irgendwann welche) lernen, dass ihr Wert nicht von den erbrachten Leistungen abhängig ist. Vor allem müssen sie verstehen lernen, dass die Leistung nicht nur an den Schulnoten gemessen werden kann.

Was ist Leistung?

Ein Kind kann sehr viel leisten – persönlich verbrachte ich oft mehr als drei Stunden an meinen Hausaufgaben. Der Grund dafür: Ich war oft abgelenkt und brauchte auch sonst, wegen motorischen Schwierigkeiten, mehr Zeit. Die Noten waren dennoch in den meisten Fällen unter einem „gut“ oder „sehr gut“. Meistens waren sie gerade noch genügend, manchmal ungenügend. Doch was das lernen anging, da habe ich viel investiert und meine Mutter hat mich darin sehr stark unterstützt. Auch dumm war ich nicht, die Resultate stimmten mehrheitlich, doch brachte ich die Prüfungen in der vorgegeben Zeit nicht fertig. Wichtige Fragen, die man sich daher stellen sollte: Woran wird man gemessen? Mit wem wird man verglichen? Oder mit wem vergleicht man sich selber? Vergleiche ich mich mit Albert Einstein, so habe ich in Mathe oder Physik nicht viel zu bieten. Vergleiche ich mich heute mit meiner Mutter, da bin ich wohl in Mathe heute weiter. Im extremfall führt mich das eine in die Resignation, weil ich nicht so gut bin wie der andere, und im andern Fall zur Überheblichkeit. Zur Leistung sollte man daher auch die Sozialkompetenz noch mehr gewichten.

Die Grundvoraussetzungen

Nicht jedes Kind hat die gleichen Grundvoraussetzungen und wir sollten, wenn wir dann schon die Leistung messen wollen, alle Faktoren miteinbeziehen. Das kann bedeuten, dass ich ein Kind auch dann loben kann, wenn es was das effektive Lernziel angeht zwar eine schlechtere Leistung erbringt, dies aber nicht durch mangelnden Fleiss oder Willen bedingt war. Ich denke wir müssen mehr und mehr lernen, die Entwicklung in Relation zu den Möglichkeiten (Stärken und Schwächen) zu erkennen und zu beurteilen.

Die Ziele

So stellt sich für mich auch die Frage, warum müssen Ziele eigentlich für alle gleich sein? Ziele sind wichtig, keine Frage, aber warum können sie nicht individueller gefasst werden? Wir definieren Ziele oft so, was jeder Schüler auf einer bestimmten Stufe können/wissen muss. Zuoberst stehen also die Lernziele und nicht der Schüler, der doch ganz individuelle Gaben und Fähigkeiten hat. Dass jeder Mensch (sofern er das von den Grundbedingungen her kann) lesen, schreiben, rechnen lernen sollte, das ist klar. Doch die Tiefe der einzelnen Bereiche muss doch nicht so klar definiert sein. Jemand der sich stark für Mathematik interessiert und später Mathematik studieren möchte, wird irgendwann sicher zu dem Punkt kommen, wo er sich anfängt mit dem Pytagoras zu beschäftigen. Doch wenn ein anderes Kind auf einer anderen Ebene lernt zu rechnen, bspw. wenn es beim kochen anfängt die Zutaten von 4 Personen im Rezept auf 6 Personen zu berechnen ist das doch genauso gut. Wer beurteilt denn, welcher Lernstoff, für das einzelne Kind wirklich wichtig ist. Es sind doch meistens die Erwachsenen im Bildungssystem, die gewisse Vorgaben machen. Und das Kind muss dann Dinge lernen, welche im Alltag später nie gebraucht werden. Statt also klar zu definieren, was in welcher tiefe zu erlernen ist, könnte man hier auch Reformen andenken, welche für die Kinder individueller förderlich sind, auch wenn ich weiss, dass das nicht so einfach wird.

Der Weg zum Ziel

Das gleiche gilt für den Weg zu diesem Ziel, es gibt so viele Lernmethoden und viele kamen zumindest bei mir erst im Erwachsenenalter zur Geltung. Es war doch mehrheitlich so, dass der Lehrer oder die Lehrerin vorne stand und uns erklärte wie die Dinge funktionieren = learning by teaching. Gruppenphasen, in denen man selbst Dinge erprobte waren eher die Ausnahme. Ich war schon immer mehr der Typ, der sich für gewisse Dinge interessierte und dort dann mit dem ausprobieren, scheitern, wieder versuchen, irgendwann zum gewünschten Erfolg kam. So lernte ich mit 7 Jahren Textverarbeitung, dann Tabellenkalkulation mit 10 Jahren, erste Webseiten gestaltete ich mit etwa 15 Jahren und das zu einer Zeit in der noch kaum jemand einen Computer für den Alltag nutzte. Die motorischen Schwierikeiten waren hier sogar ein Segen, weil ich damit viel besser arbeiten konnte als mit Stift und Papier. Es gab immer wieder Probleme zu lösen. Einmal startete der Computer nicht auf, weil ich die Diskette (wird heute nicht mehr gebraucht) noch drin hatte und der Computer von dieser versuchte zu starten. Mein Vater hat mir dann geholfen. Doch viele Dinge habe ich selbst gelernt und dazu entweder Bücher gelesen, mich im WeltWeiten Warten – kurz WWW (damals hatten wir noch eines dieser langsamen 56k-Modems) informiert und später in der Zeit von Youtube auch entsprechende Videos geschaut. Dazu immer einfach wieder versucht gewisse Dinge umzusetzen. Dazu musste ich nicht die Schulbank drücken.

Der Wert

In meinem Artikel über „Armut und Reichtum“ habe ich schon mal darüber geschrieben. Am Ende zählt für Gott nicht die Noten, die wir in der Schule erhalten. Den Himmel können wir uns weder verdienen, noch uns dort mit Geld einkaufen. Es ist Gottes Geschenk an uns.

Manfred Siebald schrieb einmal in einem Lied:

Was wir in den Händen halten, das ist uns nur von Gott geliehen, wir dürfen es verwalten, wir dürfen es gestalten und geben es zurück an ihn.

Vielleicht lässt gerade dieser Umstand uns gnädiger mit anderen umgehen, wenn wir uns vor Augen halten, dass jeder Dinge von Gott erhalten hat und wir uns gar nicht erst mit anderen vergleichen müssen, die mehr oder weniger bekommen haben als wir selbst. Der Wert von uns hängt nicht von diesen Dingen ab.

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