René Caruso Graf

René Caruso Graf

Ex-Judaistik-Student: „Ich will zu Bild“

Endlich, nach einem Tag kreativer Arbeit steht die Bewerbung für meinen guten Freund Martin Schlorke. Das Resultat lässt sich durchaus sehen und Martin ist begeistert.

Schon seit langer Zeit werde ich immer wieder für die Gestaltung von Bewerbungen angefragt. Manche fragen mich auch, wie ich da vorgehen würde. Natürlich erfordert dies einiges an Erfahrung, eine solche Bewerbung wie diese für Martin zu erstellen und doch will ich euch hier gerade an diesem Beispiel ein paar Tipps auf den Weg geben.

Trage alles zusammen

Zuerst geht es einmal darum einen Überblick zu verschaffen. Trage dabei alles zusammen.

  • Auf was für eine Stelle bewirbst du dich?
  • Was wird von der Bewerbung her erwartet?
  • Was ist es für ein Unternehmen, bei dem du dich bewirbst?
  • Womit kannst du Punkten? Welche Anforderungen (bspw. aus dem Stelleninserat) entsprechen deinen Fähigkeiten und deinen bisherigen Berufserfahrungen?
  • Wo besteht je nach dem Nachholbedarf und wie willst du diesem begegnen?

Eine umfassende Beschäftigung mit dem Unternehmen und der Stelle ist für die Bewerbung unabdingbar. Warte nicht erst bis du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, dich mit den Fragen, welche dir gestellt werden könnten zu beschäftigen. Versuche so vieles wie möglich bereits in diesem Stadium des Bewerbungsprozesses in Erfahrung zu bringen. Betrachte es auch mal so: Alles was du zu diesem Zeitpunkt bereits beantworten könntest, das hilft dir im späteren Ablauf des Bewerbungsverfahrens. Viele Unternehmen rufen heute erst noch an, bevor sie jemanden überhaupt erst zu einem Bewerbungsgespräch einladen. Seriöserweise wird der telefonische Termin vorgängig per Mail vereinbart. Da stellt sich dann bereits heraus, ob du dich mit der Stelle und dem Unternehmen wirklich beschäftigt hast. Du kannst dich nie genug früh diesen Fragen stellen.

Martin hatte sich bereits mit der Stelle befasst. Er wusste, dass sie bei der Bild-Zeitung, neben dem CV (Lebenslauf) und den Diplomen/Arbeitszeugnissen, mindestens eine Reportage und ggf. noch weiteren Leseproben verlangten. Diese hatte er dabei, bzw. waren Online zu finden. Auch das Motivationsschreiben und den Lebenslauf hatte er dabei. Diese waren noch nicht sonderlich formatiert, aber das war dann unser Job an diesem Tag.

Stich aus der Masse heraus

Das ist das A und O bei einer Bewerbung und so einfach es gesagt ist, so schwierig ist das auch. Denn wie sticht man heraus? Du brauchst die oben genannten Informationen, die du zusammengetragen hast und wohl noch einige mehr. Viele Unternehmen haben ein Corporate Identity und darin enthalten ist auch ein Corporate Design. Es geht darum, wie das Unternehmen gegen aussen auftritt. Ich versuche die Bewerbung, wenn ich eine Stelle unbedingt möchte möglichst daran anzulehnen. Da bieten sich Jahresberichte, Publikationen, Werbungen/Inserate, die Webseite, etc. an.

  • Was für Farben werden verwendet?
  • Welche Schriftarten und Auszeichnungen von Schriftarten werden verwendet?
  • Welche besonderen Elemente (Formen, Verläufe, etc.) gibt es?

Bei der Bild-Zeitung ist das leicht zu beantworten: Möglichst grosse Überschriften, grosser Bild-Anteil und meiner Ansicht nach besonders im inneren Teil wirkt es für mich völlig überladen. Auf der letzten Seite dann noch ein paar Beziehungstipps, Klatsch und Tratsch und z.T. noch einige freizügige Bilder des vorwiegend weiblichen Geschlechts. Aber man muss ja auch nicht alles kopieren. Wenn dir was überhaupt nicht gefällt, dann lass es weg oder noch besser: mach’s besser.

Sei kreativ und mutig, aber auch nicht unbedingt übermütig. Alles muss in einem bestimmten Mass erfolgen und natürlich gibt es Branchen, da muss es mehr den kaufmännischen Regeln entsprechen und andere Branchen, da darf es durchaus mal etwas kreativer im Sinne von „think out of the box“ sein.

Von der Anfrage bis zur fertigen Bewerbung

Man ahnt es bereits so eine Bewerbung zu erstellen braucht Zeit und zwar viel Zeit. Für meine letzte persönliche Bewerbung brauchte ich ungefähr einen Arbeitstag verteilt auf eine Woche, weil ich noch gearbeitet hatte. Bei dieser Bewerung sah es nicht anders aus. Wir hatten nur einen Tag Zeit und das lief so:

Mittwoch, 29. Mai 2019:

Martin frägt mich an, ob wir noch eine Bewerbung für die Bild-Zeitung erstellen könnten. Diese müsste er bis zum 1. Juni abgeben. Ich sagte zu, viel Zeit blieb uns natürlich nicht mehr, aber mit einer Standartvorlage, die ich noch hatte würden wir das sicherlich noch hinbekommen, dachte ich und sagte zu. Wir machten auf den Donnerstag, 30. Mai um 11 Uhr ab.

Donnerstag, 30. Mai 2019:

Um ca. 9 Uhr kam mir der Gedanke, dass man die Bewerbung ja auch im Stil der Bild-Zeitung machen könnte. Doch ich hatte selbst etwas Zweifel, dass wir das noch alles an diesem Tag hinbekommen würden.

09:30 Uhr ich beginne mit meiner Recherche, schaue mir diverse Covers der Bild-Zeitung an, finde auf Wikipedia die Hinweise auf Format und die in der Regel verwendete Schriftarten. Danke Wikipedia!

09:55 Uhr ich lege in Adobe Indesign das Dokument im Format der Bildzeitung an, definiere 9 Spalten pro Seite und beginne mit dem Setzen des Covers. Das Logo der Bild Zeitung ist schnell beschafft. Das Datum, ein Strichcode, die Headline in ziemlichem Eiltempo entsteht Schritt für Schritt die Frontseite.

10:11 Uhr ich sende Martin den ersten Entwurf der Headline per WhatsApp mit der Überschrift: „Ex-Judaistik-Student will bei Bild arbeiten“

10:12 Uhr Martin sendet zwei Emojis (diese mit den Herz-Augen)

10:12 Uhr schreibe ich: Die Schlagzeile steht

10:14 Uhr Martin schreibt: Das wird so gut!! (Den restlichen WhatsApp-Verlauf erspare ich euch an dieser Stelle)

10:18 Uhr Ich arbeite weiter am Cover und beginne mit der Suche nach Artikeln von Martin im Web, die wir einbauen können.

10:50 Uhr Martin klingelt bei mir. Ich schaffte es noch nicht mal zu duschen, wollte ich eigentlich noch.

10:55 Uhr wir ändern die Überschrift zu: Ex-Judaistik-Student: „Ich will zu Bild“. Guter Vorschlag von Martin wie ich meine. Dann machen wir uns an die Innenseiten.

11:48 Uhr ich stelle das Bild von Martin frei, füge den Hintergrund von Jerusalem ein. Inzwischen haben wir auch den ersten Artikel von Pro-Medienmagazin über den Eintracht-Frankfurt-Präsident, der sich gegen den Antisemitismus einsetzt und dafür ausgezeichnet wurde gesetzt.

11:55 Uhr wir haben langsam Hunger und suchen uns bei eat.ch was zu futtern. Martin lädt mich freundlicherweise ein. Danach machten wir uns an den Artikel über die O’Bros.

12:45 Uhr es klingelt, die Pizza ist da. Wir verabschieden uns aus dem Büro und gehen in unser Esszimmer. Wir sprechen unter anderem über ein PS4 Game „Detroit“, welches ich Martin nach dem Essen noch kurz zeigen wollte – wenigstens eine Sequenz davon.

14:00 Uhr weiter gehts mit unserer Bild-Zeitung, es folgen die Reportage und dann kommen wir auch schon zum Lebenslauf.

17:01 ich scanne die Urkunde und das Zeugnis von der kep ein.

20:12 Die letzte Seite soll die Bewerbung auf witzige Art und Weise abrunden. Dazu wollen wir nicht allzu ernst zu nehmende Flirt-Tipps für Christen integrieren. Also begeben wir uns auf Bildsuche und schreiben die Texte. Diese sollen möglichst so überspitzt sein, dass man hoffentlich merkt, dass wir das nicht ganz so ernst meinen.

21:05 Nach 12 Stunden Arbeit ist diese aussergewöhnliche Arbeit fertig.


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