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Abgedreht: Zwinglis Erbe

René Caruso Graf

René Caruso Graf

Mit Eutychus Production zusammen, durfte ich vom 18. bis 23. Juni 2018 an den Dreharbeiten für den neuen Kurz-Spielfilm «Zwinglis Erbe» mitarbeiten. Ein kleiner Bericht von dieser intensiven Woche:

Kyburg in Nebel gehüllt

Der erste Drehtag fand bei der Kyburg in der Nähe von Winterthur statt. Der Treffpunkt fürs Team war bereits um 7 Uhr morgens, keine Chance von Bern her. Um 5:40 bestieg ich in Kehrsatz den Zug und war dann kurz nach 8 Uhr vor Ort. Bereits wurden Schauspieler und Statisten für den Dreh eingekleidet und in der Maske vorbereitet. Die erste gedrehte Szene handelte von der Pest. Um die Szene, bei der die Leute fluchtartig die Stadt verliessen, effektvoll aufzuwerten, setzten wir das erste Mal die Nebelmaschine ein. Weitere Szenen fanden in und vor der Kapelle und in einem der beiden Gefängniszellen statt.

Licht in die frühe Neuzeit gebracht

Hauptsächlich in Absprache mit Oskar Fröhlich (Kamera), der Regie und dem übrigen Kernteam war es meine Hauptaufgabe Licht in die frühe Neuzeit zu bringen und manchmal auch Lichtquellen zu eliminieren, wie auf diesem Foto der Sonnenschein durchs Fenster im Hintergrund. Etliche Decken und Bretter, zwei LED-Panels, ein LED-Punktstrahler und ein Reflektor kamen dabei zum Einsatz. Manchmal wurden die Panels als direkte, dann wieder als indirekte Lichtquelle verwendet. Für gewisse Szenen wurde warmes Licht, für andere kaltes Licht gebraucht. Doch auch natürliche Lichtquellen kamen zum Einsatz: Kerzenschein und Feuer. Auch hier hiess es manchmal kreativ zu sein. Um das Flackern auf dem Gesicht zu verstärken, kam es da schon mal vor, dass ich mit einem Blatt Papier bei einer Kerze ein klein wenig Wind erzeugen durfte. Das sind die kleinen, aber lohnenswerten Details.

Klappe halten

Wenn jemand ungehalten auf uns einquasselt, kann uns schon mal ein genervtes „Halt die Klappe!“ herausrutschen. Manche reagieren mit diesem Ausspruch unwirsch auf andere, deren Meinung sie gerade überhaupt nicht interessiert. Das Signal ist deutlich: Ruhe bitte! Ich will nichts mehr hören! Der Ursprung: Sie stammt aus dem Mittelalter, als die Klosterbrüder sich täglich in der (nicht sehr wohltemperierten) Kirche einfanden, um zu beten oder am Gottesdienst teilzunehmen. Dort nahmen sie auf hölzernen Klappstühlen Platz. Diese schnappten nach dem Aufstehen zurück, weshalb die Gläubigen die Sitzklappe immer festhalten mussten. Versäumte das einer von ihnen, machte das in den hohen Kirchenräumen und bei der ansonsten eher stillen Angelegenheit einen Höllenlärm. Mit „Halt die Klappe!“ kam prompt die Rüge.

Doch dieses historische Beispiel lässt sich auch gut auf die Gegenwart übertragen. Beim Halten der Klappe beim Film sollte der, welcher die Klappe hält auch wirklich die Klappe – den Mund halten. Er ist ja keiner der Schauspieler, der ab dann, wenn es heisst „Und bitte!“ reden darf.

Kleine Nebenrolle als Bibelübersetzer

Sogar eine kleine Nebenrolle bekam ich noch. Bei einer Szene kam es zu einer theologischen Auseinandersetzung mit Zwingli. Es ging um die Taufe und darum den Herrn anzurufen. Dort steht (für jene, die es interessiert) ἐπικαλεσάμενος (epikalesamenos) – ein Aorist, den es so in der deutschen Sprache nicht gibt und wir konnten uns längere Zeit nicht einigen, wie dieses Wort zu übersetzen sei.

In einer weiteren Szene war ich mit Leo Jud an der Arbeit, Zwingli nicht da und Froschauer – der Druckerei-Inhaber – war etwas unter Zeitdruck. Doch am Ende wurde das Werk vollendet und wir betrachteten es zufrieden.

Lifechannel war mit dabei

Auch Lifechannel war am letzten Tag am Set mit dabei. Dabei ist ein Interview mit dem Regisseur Mimuk, einigen Schauspielern und Statisten entstanden.

Auch ein kleiner Video-Einblick wurde erstellt:

Ende Oktober im Kino in Zürich

Am 27. und 28. Oktober ist der Kurzspielfilm das erste Mal in einem Zürcher Kino zu sehen. Ich freue mich riesig, das Resultat unserer Arbeit zu sehen und die vielen coolen Leute dieser Woche wieder zu treffen. Die Drehaufnahmen haben enorm viel Freude bereitet.

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