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Paulus beste (Schach-)Partie

René Caruso Graf

René Caruso Graf

Schach ist eines ein hochkomplexes Spiel. Die Regeln sind im Grunde schnell erklärt. Jede Figur hat bestimmte Züge die möglich sind und dann gibt es noch ein paar Sonderregeln. Fertig.

Doch es gibt die unterschiedlichsten Strategien und Theorien, welcher Zug in einer bestimmten Situation der beste sei. Dazu kommen verschiedene menschliche Komponenten: Für einen Schachspieler ist es wichtig völlig konzentriert und präsent zu sein. Stress führt schnell mal dazu, dass man die falschen Entscheidungen trifft.

Ich bin überzeugt, dass wenn Schach um 30-70 n. Chr. bereits existiert hätte, Paulus ein hervorragender Schachspieler gewesen wäre. Zumindest zeigt sich dies in einer Geschichte, die mich immer wieder fasziniert: Paulus in Athen (Apostelgeschichte 17,16-34).

Ich vergleiche also diese Geschichte mit einer Schach-Partie und werde dabei einige Schach-Tipps weitergeben, welche mit der Verkündigung des Evangeliums zutun haben.

Die Ausgangslage

Eigentlich war die Ausgangslage dieser, in meinen Augen beste Schachpartie des Paulus gar nicht mal so optimal:

Während Paulus nun in Athen auf die beiden wartete, sah er sich in der Stadt um. Empört und erschüttert stellte er fest, dass ihre Straßen von zahllosen Götterstatuen gesäumt waren…

Apostelgeschichte 17,16

Paulus wartete auf Silas und Timotheus. Er stand also ganz alleine in dieser Stadt. Seine Brüder, die vorher noch bei ihm waren, die waren weg. Sie sollten Silas und Timotheus ausrichten, dass Paulus sich wünscht, sie würden zu ihm kommen. Er war also unterwegs ohne Fanclub und ohne irgend einen Coach, Mentaltrainer oder sonst irgendwelche Unterstützung. Dazu war er gestresst – empört und erschüttert über das was er in Athen sah. Zahlreiche Götterstatuen standen herum.

Doch was macht Paulus? Ich gehe davon aus, dass er sich die Dinge genau ansah. Später spricht er über einen Altar, der einem unbekannten Gott gewidmet wurde. Diesen hatte er sicher während dieser Zeit des Umsehens entdeckt. Da bahnte sich bereits ein sehr guter Zug in seinem „Schachspiel“ an. Sicher kam er da auch etwas zur Ruhe und er bereitete sich darauf vor, wie er zu den Menschen in Athen sprechen könnte, wenn sich dann eine Gelegenheit bot. Wo konnte er anknüpfen? Was beschäftigt die Leute? Welche Sorgen hatten sie? In welcher Gesellschaft lebten sie? Nach welchen Regeln spielte hier das Leben?

Schach-Tipp #1: Komme zur Ruhe

Es gibt verschiedene Dinge, wo wir als Christen empört sein können. Das können soziale Ungerechtigkeiten oder moralische Dinge sein. Es gibt immer wieder Aspekte in unserer Gesellschaft, die nicht in unser Weltbild passen. Mein erster Tipp an dich. Komm erst einmal zur Ruhe. Es bringt nichts mit viel Emotionen in eine Partie einzusteigen. Meistens erzielt man genau das Gegenteil von dem was man erzielen möchte. 

Schach-Tipp #2: Lerne deinen Gegner kennen

Wenn deine Emotionen besänftigt wurden. Du etwas zur Ruhe gekommen bist, dann lerne deinen „Gegner“ kennen. Du kannst das erst von der Distanz her tun. Schau dich genau um. Grosse Schachpartien werden übertragen und man kann sie anschauen und analysieren. Bei grossen Partien lernt man den Gegner schon lange vor der eigentlichen Partie am Brett kennen. Man analysiert sein Spiel von A-Z. In den Medien sieht man immer wieder Statistiken darüber was die Menschen besonders bewegt, welche Zukunftsängste sie haben, welche Sehnsüchte und Wünsche sie haben. Nutze diese Möglichkeiten. Was beschäftigt die Leute in der Gesellschaft und in deinem Umfeld, in dem du dich bewegst? Wie leben sie? Wo kannst du anknüpfen?

Die Eröffnung

Jede Schachpartie beginnt mit der Eröffnung. Und hierbei zeigt sich das erste Mal, wie der einzelne Spieler spielt und in welche Richtung sich ein Spiel entwickeln wird. Fährt jemand mehr eine offensive oder eher eine Defensive Strategie. Wie reagiert das Gegenüber? Die Eröffnung findet am Brett statt (mal abgesehen vom Fernschach über Internet oder Briefpost… ja auch das gibt es noch heute).

Auch Paulus geht nach seiner Vorbereitung ans Brett:

…und er begann, ´mit den Leuten Gespräche zu führen`. In der Synagoge redete er mit den Juden und mit denen, die sich zur jüdischen Gemeinde hielten, und auf dem Marktplatz unterhielt er sich Tag für Tag mit denen, die er dort antraf. 

Apostelgeschichte 17,17

So wie ich das sehe entwickelt Paulus seine Figuren Schritt für Schritt. Ein häufiger Fehler, den Anfänger im Schachspiel machen: Sie entwickeln zu schnell ihre starken Figuren wie die Dame oder die Türme. Paulus hat zwar einen sehr guten Zug im Köcher, aber er spart sich diesen noch auf. Erst kommt er mit den einfachen Leuten ins Gespräch. Er spricht mit den Juden wie auch mit den Griechen. Es kommt also zu ersten Begegnungen am Brett. Die Bauern stehen sich gegenüber, die Springer und Läufer kommen ins Spiel.

Bei der Eröffnung geht es im Grunde um drei Dinge im Schachspiel:

Zentrumskontrolle

Bei der Zentrumskontrolle geht es um das Zentrum des Brettes. Dieses besteht aus vier Feldern. Wer dieses Zentrum am besten kontrolliert, der kontrolliert am Ende auch das Spiel.

Figuren entwickeln

Der Springer ist die einzige Figur auf dem Feld, der auch andere Figuren überspringen kann. Alle andere Figuren brauchen offene Linien um sich fortbewegen zu können. Die Läufer in die Diagonale, die Türme horizontal und vertikal. Die Dame diagonal, horizontal oder vertikal. Es ist also in der Anfangsphase notwendig gewisse Bauernzüge zu machen, damit die anderen Figuren sich erst entwickeln können, auch wenn man nicht zu viele Bauernzüge machen sollte, weil es für sie kein Zurück gibt.

König in Sicherheit bringen (Rochade)

Die Rochade ist ein wichtiger Zug um deinen König aus der Mitte der hinteren Linie am rechten oder linken Rand in Sicherheit zu bringen. Ein König in der Mitte kann sowohl von links, rechts oder auch von vorne bedroht werden. Steht er am Rande des Spielfelds sind die Möglichkeiten der Bedrohungen geringer.

Paulus versteht was von der Eröffnung

Zurück zu Paulus: Ich bin davon überzeugt, dass er die Partie auf gute Weise eröffnet hatte. Er fängt an das Zentrum zu kontrollieren, entwickelt Schritt für Schritt seine Figuren, bringt seinen König in Sicherheit indem er so zu den Leuten spricht, dass dieser nicht in Verruf gerät. Er weckt das Interesse der Leute, geht auf sie ein. Aktion und Reaktion, das A und O einer Eröffnung und auch eines Gesprächs, an dem man nicht an den Leuten vorbei debattieren möchte.

Schach-Tipp #3: Kontrolliere das Zentrum

Überlege dir, welches sind die zentralen Dinge, mit denen ich mit anderen sprechen will? Was sind eigentlich die zentralen Dinge meines Glaubens? Damit verbunden auch: Welche Dinge sind nebensächlich und im Moment noch gar nicht dran?

Ich erlebe es immer wieder so, dass es uns um Nebensächlichkeiten geht. Wir thematisieren in der Gesellschaft vielfach erst die moralischen Werte und vergessen dabei, dass die zentralen Aspekte doch in der Beziehung zu Gott liegen, der uns überhaupt die Kraft gibt Dinge in unserem Leben zu verändern.

Wichtig also: Kontrolliere das Zentrum mit dem zentralen Inhalt und spiele nicht am Rande des Brettes. Für den Springer gilt bspw. der bekannte Spruch: Ein Springer am Rande bringt Kummer und Schande.

Wer das Zentrum kontrolliert, der kontrolliert am Ende das Spiel und nimmt viel mehr Einfluss darauf. Wer am Rande steht, dessen Einfluss ist geringer. Daher bringe die zentralen Themen ins Zentrum der Debatte.

Schach-Tipp #4: Entwickle deine Figuren

Schaffe darauf hin, dass sich dein ganzes Potenzial im Gespräch entfalten kann. Versuche nicht zuerst die Dame oder die Türme ins Spiel zu bringen. Das schadet am Ende deiner Entwicklung: Entweder du musst dich wieder zurückziehen oder deine Dame wird so eingekesselt, dass sie am Ende fällt, ohne ihr wirkliches Potenzial entwickeln zu können. Der Rückzug schadet deinem Spielaufbau, du verlierst wertvolle Züge und der Verlust der Dame ist in vielen Fällen bereits die Vorentscheidung des Spiels.

Was bedeutet das für die Gespräche über den Glauben? Bevor du die grossen Geschütze auffahren kannst, solltest du Geduld zeigen. Stelle Fragen. Höre zu. Achte auf die Züge deines Gegenübers. Verstehe seine Sichtweisen. Wenn du meinen Tipp Nr. 1 befolgt hast, dann weisst du bereits vieles über die Gesellschaft in der du dich bewegst. Jetzt geht es darum dein Gegenüber persönlich kennenzulernen und Schritt für Schritt das einzubringen, wo du deine Anknüpfungspunkte gefunden hast. Paulus hat immer noch einen sehr starken Zug in seinem Köcher, doch er hat ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgespielt. Er wartet geduldig auf den richtigen Zeitpunkt. Das sollten wir auch vermehrt tun. Wir würden so viel mehr gewinnen.

Schach-Tipp #5: Schütze den König

Gott ist unser König und es geht gar nicht darum, dass du ihn durch die Rochade in einer Ecke versteckst. Nein der König ist die Hauptfigur des Spiels. Man sagt nicht umsonst auch Königsschach dazu. Alles steht und fällt am Ende mit dem König. Der König – dein König – soll immer das Zentrum deines Spiels sein und doch braucht er Schutz. Er soll nicht von allen Seiten angreifbar sein.

Was meine ich damit? In vielen Gesprächen habe ich das Gefühl geht es um unsere Denkweisen, unsere Werte oder um Regeln. Aber viel zu wenig um unseren König. Wir sprechen über Regeln und Werte, die wir als wichtig erachten. So habe ich viele Debatten miterlebt. Ich will gar nicht diese Werte hinterfragen, darum geht es nicht. Aber für mein Gegenüber ist das was von uns Christen bleibt oft ein ziemlich enges Konstrukt an Regeln und Werten. Das prägt auch das Gottesbild. Gott erlebe ich nicht so, dass er uns einfach haufenweise Regeln auferlegen will. Er ist doch vielmehr der, welcher mit uns einen Weg geht, der mit uns Gemeinschaft pflegen will, der uns liebt, der uns vergibt, uns seine Gnade zuspricht und uns im innersten verändern will. Der Gott Israels ist vom Bund mit Abraham (Verheissung des Landes und der Nachkommenschaft) bis zum Sinai, an dem er ihnen das Gesetz gab, einen weiten Weg gegangen. Isaak, Jakob, die Geschichte wie Joseph nach Ägypten kam, die Befreiung des Volkes in Ägypten. Erst dann kamen die Bundesregeln hinzu und auch dort heisst es am Anfang:

Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit.

2. Mose 20,2

Gott zeigt dem Volk also erst einmal die grosse Liebe die er gegenüber ihnen hat. Er hat sie befreit. Er hat sie eh und je geliebt. Es geht ihm gar nicht erst um die Gebote. Diese Gebote sind ein Teil des Bundes, aber sein Bund beginnt erst einmal bei einem Versprechen, für dessen Einhaltung er sich bei Abraham selbst bei seinem Leben verbürgt hat.

Wenn es mir um den Schutz des Königs geht, dann geht es mir darum, dass wir von diesen guten Dingen sprechen. Dass wir von seiner Liebe zu uns Menschen sprechen. Ich will doch ein positives Bild von meinem König vermitteln. Ich achte meinen König und liebe meinen König, der mich schon geliebt hat, ehe ich ihn überhaupt kennenlernte.

Stelle dir doch mal die folgenden Fragen: Welches Bild erhalten meine Mitmenschen von meinem König, wenn ich von ihm erzähle? Ist er der ewige Spassverderber, der gewisse Regeln aufstellt und uns knechtet? Ist er jener der uns alle möglichen Dinge verbieten will? Oder erkennen die Menschen um mich herum, dass es dieser König gut mit mir meint?

Der Kampf

Wir erinnern uns, dass Paulus erst die Gespräche unter den Griechen und Juden gesucht hatte. Doch langsam spitzt sich die Sache zu:

Dabei kam es auch zu Diskussionen mit epikureischen und stoischen Philosophen. Einige von ihnen spotteten: »Was will eigentlich dieser sonderbare Vogel mit seinen aufgepickten Weisheiten? Glaubt er, er könne uns etwas beibringen?« Andere meinten: »Es scheint, als wolle er Propaganda für irgendwelche fremden Götter machen!« ´Zu diesem Schluss kamen sie,` weil sie Paulus, als er das Evangelium verkündete, von Jesus und von der Auferstehung reden hörten.

Apostelgeschichte 17,18

Der Kampf ums Zentrum ist im vollen Gange. Jetzt sind da nicht mehr nur die einfachen Bauern und andere Leichtfiguren. Langsam machen sich andere Kräfte breit. Die Philosophen schalten sich ins Geschehen ein.

Schach-Tipp #6: Sei kreativ

Wenn ich andere Menschen frage, ob sie auch Schach spielen würden, so bekomme ich manchmal die Antwort, dass sie zu wenig mathematische Fähigkeiten hätten. Doch sind diese wirklich in dieser Weise notwendig? Ich persönlich halte Schach für ein sehr kreatives Spiel. Klar, auf professioneller Ebene werden x Züge im Voraus durchdacht. Computer berechnen ganze Zug-Abfolgen zu denen das menschliche Gehirn kaum in der Lage ist. Doch wo sich zwei Menschen gegenüber sitzen, da hat Schach vielfach mit einer kreativen Spielweise zu tun. Manchmal da opfert man bewusst eine Figur, damit man eine noch stärkere schlagen kann, was vorher nicht möglich oder man eröffnet mit einem bestimmten Zug eine ganze Abfolge, von weiteren Zügen. Es ist dabei im Schachspiel von Fallen die Rede. Diese kann es bei der Eröffnung bis in die Endphase hinein geben.

Leute dort abzuholen, wo sie sich gedanklich befinden und ihre Gedanken auf das zu lenken, was wirklich zählt, das erfordert viel Kreativität. Deshalb: Sei kreativ! Das galt besonders für diese Phase in der Paulus jetzt mit den Philosophen steckte. Jetzt war sein ganzer Verstand, aber auch seine ganze Kreativität gefordert.

An der Bibelschule hatte ich einen Dozenten, der hatte ein grosses Herz für die Verkündigung des Evangeliums. Er meinte mal zu uns: „Überlegt euch aus allen Situationen, die sich ergeben können, Möglichkeiten wie ihr über das Evangelium sprechen könnt. Wo knüpft ihr an, wenn ihr mit einer anderen Person an der Ampel für Fussgänger steht? Was könntet ihr da sagen um mit dieser Person ins Gespräch zu kommen? Wie führt ihr diese Person gedanklich zum Kern des Evangeliums?“

Dies hat mich immer wieder dazu geführt mir kreative Wege zu überlegen, wie ich mit anderen Menschen über den Glauben ins Gespräch kommen könnte.

Und beim Gegner – den griechischen Philosophen – ist plötzlich das Interesse geweckt, neben dem Spott, den einige für ihn übrig hatten:

Schließlich nahmen sie Paulus in ihre Mitte und führten ihn vor den Areopag, ´den Stadtrat von Athen`. »Dürften wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du da vertrittst?«, sagten sie. »Du redest über Dinge, die uns bisher noch nie zu Ohren gekommen sind, und es würde uns interessieren, worum es dabei eigentlich geht.« (´Man muss dazu wissen, dass` sich sämtliche Einwohner Athens und sogar die Fremden, die sich nur vorübergehend in dieser Stadt aufhalten, ihre Zeit am liebsten damit vertreiben, stets das Allerneuste in Erfahrung zu bringen und es weiterzuerzählen.)

Apostelgeschichte 17,19-20

Hier auf dem Areopag – dem Stadtrat von Athen – trumpft Paulus nun so richtig auf:

Bürger von Athen! Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugen können, dass ihr außergewöhnlich religiöse Leute seid. Als ich nämlich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift: ›Für einen unbekannten Gott‹. Ihr verehrt also ´ein göttliches Wesen`, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese ´euch unbekannte Gottheit` verkünde ich euch. 

Apostelgeschichte 17,22-23

Erst einmal zeigt er seinen Zuhörern, dass er sich wirklich mit ihnen beschäftigt hatte. Er anerkennt, dass sie zutiefst religiöse Leute sind, zu denen er spricht. Religiös meint er damit nicht abwertend, wie gewisse Christen das heute verstehen. Er meint das sehr positiv, denn er knüpft ja bei ihnen an. Dann bringt er seinen bislang stärksten Zug. Dieser Altar mit der Inschrift: Für einen unbekannten Gott.

Warum ist dieser Zug so stark? Weil er etwas von dem beschreibt, was die Athener dachten. Neben all diesen Göttern die sie verehrten, war ihre grösste Sorge irgendeinen Gott zu vergessen. Was hätte das für ihr Glaube für Konsequenzen? Alle Götter hatten gewisse Aufgaben und Funktionen. Einen Gott zu vergessen würde für sie bedeuten, dass dieser Gott sie vielleicht auch vergisst oder dafür sorgt, dass es eine schlechte Ernte gibt, etc. Die Leute lebten also in völliger Sorge. Doch nun nimmt Paulus diesen Umstand und setzt mit starken Zügen dazu an über seinen Gott zu sprechen. Diese unbekannte Gottheit, die sie nicht kennen, verkündigt er ihnen jetzt. Ohne zu dabei gleich zu sagen, ihr macht euch unnötige Sorgen. Alles was ihr glaubt ist falsch. Er spricht einfach über seinen Gott:

´Meine Botschaft handelt von` dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat. Er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen erbaut wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen. Nicht er ist von uns abhängig, ´sondern wir von ihm`. Er ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, ´was wir zum Leben brauchen`. Aus einem einzigen ´Menschen` hat er alle Völker hervorgehen lassen. Er hat bestimmt, dass sich die Menschen über die ganze Erde ausbreiten, und hat festgelegt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchem Gebiet es leben soll. ´Mit allem, was er tat,` wollte er die Menschen dazu bringen, nach ihm zu fragen; er wollte, dass sie – wenn irgend möglich – in Kontakt mit ihm kommen und ihn finden. Er ist ja für keinen von uns in ´unerreichbarer` Ferne. Denn in ihm, ´dessen Gegenwart alles durchdringt,` leben wir, bestehen wir und sind wir. Oder, wie es einige eurer eigenen Dichter ausgedrückt haben: ›Er ist es, von dem wir abstammen.‹ Wenn wir nun aber von Gott abstammen, dürfen wir nicht meinen, die Gottheit gleiche ´jenen Statuen aus` Gold, Silber oder Stein, die das Produkt menschlicher Erfindungskraft und Kunstfertigkeit sind. 

Apostelgeschichte 17,24-31

Ich werde an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Dinge eingehen, die Paulus über seinen König sagt. Nur eines will ich herausstreichen: Auch in diesem Zusammenhang setzt Paulus bei ihrer Kultur und ihren Denkern an. Er nimmt Bezug auf ihre Dichter, die auch sagten, dass wir von ihm abstammen. Das zeigt wieder, wie sehr sich Paulus die Zeit genommen haben musste, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Schach-Tipp #7: Bringe deine starken Züge

Nach der Eröffnung kannst du jetzt also deine starken Züge bringen. Das Interesse ist geweckt, dein Gegenüber oder die Gruppe ist bereit dir zuzuhören. Dann kannst du das Thema zuspitzen. Deinen starken Zügen steht kein Bauer mehr im Wege. Du hast offene Linien zu den Herzen der Zuhörern geschaffen.

Die Endphase

Im ersten Teil seiner Rede erklärte Paulus seinen Zuhörern wer sein König ist, was er bewirkte und was er mit den Menschen wollte. Doch nun kommt Paulus richtig zur Sache. Dieser König fordert auch etwas von ihnen – den Zuhörern vor dem Stadtrat von Athen:

In der Vergangenheit hat Gott gnädig über die Verfehlungen hinweggesehen, die die Menschen in ihrer Unwissenheit begangen haben. Doch jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten zur Umkehr auf. Er hat nämlich einen Tag festgesetzt, an dem er durch einen von ihm bestimmten Mann über die ganze Menschheit Gericht halten und über alle ein gerechtes Urteil sprechen wird. Diesen Mann hat er vor aller Welt ´als den künftigen Richter` bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.«

Apostelgeschichte 17,30-31

Paulus rückt mit seinem König vor. Doch Halt! Wie jetzt? Mit dem König vorrücken? Geht es nicht gerade darum, dass wir den König in Sicherheit wissen sollen? Klar doch. Der König muss immer noch durch andere Figuren auf dem Feld geschützt werden. Doch gerade in der Mitte oder Endphase eines Schachspiels ist es oft so, dass der König wieder eine offensivere Funktion bekommt. Das hängt damit zusammen, dass er sich – wenn auch nur ein Feld – in alle Richtungen bewegen kann. Damit ist er mächtiger als die Bauern, die sich nur nach vorne bewegen können. Er kann seinen Bauern aber einen nötigen Schutz bieten. Ein gutes Schachspiel fordert am Ende eben alle Figuren, samt dem König. Er unterstützt seine Truppen, so gut er kann. Zieht mit ihnen in die Schlacht und kann eine Partie entscheidend prägen.

Schach-Tipp #8: Rücke mit dem König vor

Ganz ehrlich ohne unseren König sind wir ziemlich schwache Spieler in einer Welt, die nicht primär nach Gott fragt. Ich will uns einfach mal mit den Bauern gleichsetzen. Wir sind auf einen starken König angewiesen, der uns beisteht. Rücke nicht einfach ohne den König und ohne sonstige Unterstützung vor. Du wirst dabei wertvolle Ressourcen (Figuren) verlieren. Im Leben und ganz besonders in Gesprächen mit Menschen über den Glauben sind wir auf unseren König angewiesen. Er kann und wird uns Kraft und Weisheit geben, wenn wir mit ihm zusammen vorrücken.

Das Ende der Partie

Die Rede von Paulus kommt zu einem schnellen Ende:

Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, brach ein Teil der Zuhörer in Gelächter aus, und andere sagten: »Über dieses Thema wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt mehr von dir erfahren.« Damit endete die Anhörung, und Paulus verließ die Ratsversammlung.

Apostelgeschichte 17,32-33

Das zentralste Thema von Paulus ist natürlich die Auferstehung von Jesus Christus. Doch bei diesem Thema wurde die Partie abrupt unterbrochen. Die einen konnten mit diesem Zug überhaupt nichts anfangen und fingen an zu lachen. Sie dachten wohl, dass sich Paulus jetzt extrem verrannt hatte. Andere wollten die Partie zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen. Paulus verliess das Spielbrett. Die Partie war zu Ende.

Schach-Tipp #9: Akzeptiere das Ende

Es bringt in der Regel wenig, wenn die anderen nicht mehr zuhören wollen und man weiter zu ihnen sprechen will. Wenn die andere Partei die Partie für beendet erklärt oder zu einem späteren Zeitpunkt weiterspielen will, so akzeptiere dies. Verlasse die Ratsversammlung oder das Gespräch, wie es Paulus tat.

Der Ausgang der Partie

Eine Partie kann verschieden Enden. Im Grunde gibt es diese Möglichkeiten:

  1. Schachmatt oder Gegner gibt auf (Sieg für weiss oder schwarz)
  2. Remis – Unentschieden (wiederholende Züge oder Patt-Situation)

Wie endete aber diese spezielle Partie von Paulus? War das nun ein Sieg für Paulus? Oder am Ende doch ein Sieg für die Philosophen? War es ein Remis (ein Unentschieden)? Gut einige Zuhörer haben irgendwie aufgegeben, doch einige noch nicht so ganz, sie wollten später noch mehr davon hören. Noch schwierig zu sagen was es wirklich ist. Doch wenn wir die den letzten Vers dieses Kapitel lesen, dann spricht doch sehr vieles für einen Erfolg von Paulus:

Doch einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben, so zum Beispiel Dionysios, ein Mitglied des Stadtrats, und eine Frau namens Damaris; und es gab noch andere, die zusammen mit diesen beiden ´an Jesus glaubten`.

Apostelgeschichte 17,34

Ich finde das so krass: Am Ende kommen einige zum Glauben, die auf der anderen Seite des Brettes standen. Und es waren nicht nur einige geringe Leute. Darunter war sogar einer vom Stadtrat und dessen Frau. Es ist wie wenn einige Bauern, der König und seine Dame plötzlich die Seite wechseln würden, was natürlich im offiziellen Schachspiel nie der Fall sein wird. Doch hier ist es genau so.

Schach-Tipp #10: Lass den König weiterspielen

Wir befinden uns, wenn wir die Partie von Gottes Seite her betrachten in einer sehr speziellen Partie. In dieser Partie spielt unser König weiter, auch wenn wir längst das Spielbrett verlassen haben. Die letzten Züge macht unser König immer selbst. Er ist es der am Ende zu den Herzen durchdringt und durch seinen Geist wirkt. Das heisst für uns auch, dass wir gelassen sein dürfen. Wir müssen nicht mit allen Mitteln Menschen zur Umkehr bewegen. Klar wir dürfen darüber sprechen, doch am Ende sind wir auf Gottes Wirken angewiesen und wir dürfen ihm vertrauen, dass er auf diesem Brett weiterspielt und Dinge vollbringt, zu denen wir nie im Stande sein werden. Doch er gebraucht uns für seine Sache.

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