Blog

Lass dein Kamel niederknien!

René Caruso Graf

René Caruso Graf

Es ist immer wieder spannend, mich mit meinem guten Freund und Judaistik-Experten (obwohl er sich selbst wohl nicht so bezeichnen würde) zu unterhalten und den unterschiedlichsten Wortbedeutungen nachzugehen. Heute ging’s um’s segnen.

In Genesis 24,11 gibt es eine Stelle, da steht das hebräische Wort „barak“, welches sehr oft für „segnen“ steht, für „niederknien“. „Er (der Knecht Abrahams) liess die Kamele niederknien“, heisst es dort. Es tut mir so leid, aber ab jetzt kann ich keine Person mehr segnen, ohne dabei nicht an ein Kamel zu denken 😂. Danke für den Martin Schlorke.

Aber aus so witzigen Gesprächen ergeben sich auch völlig neue Fragen und neue Gedankengänge. Oft steht das Wort baruch nämlich auch in Bezug auf Gott. Jedes Gebet beginnt bei den Juden mit „Baruch Adonai…“ was übersetzt heisst: „Gesegnet sei der HERR“. Wie können wir denn bitte Gott segnen? Geht das überhaupt? Übersetzt wird es ins Deutsche in der Regel mit „Gepriesen sei der HERR“. Doch ich finde den Gedanken mit segnen auch irgendwie schön. Segnen bedeutet ja vor allem, jemandem wohlgefällig sein, ihm etwas Gutes tun, ihn zu beschenken, sich um ihn sorgen, ihm das Beste zu wünschen.

Wenn ich Gott segne, dann bin ich ihm wohlgefällig, dann handle ich in guten Absichten, dann beschenke ich ihn. Preisen bingt das Loben zum Ausdruck, es beschreibt vielleicht meine Haltung vor Gott. Segnen geht für mich noch weiter, denn es umfasst nicht nur Worte, sondern auch Taten.

Zurück zu den Kamelen: „Er liess seine Kamele niederknien“, kann man vielleicht auch übertragen verstehen. Es ist übertragen gesprochen nicht das Kamel, das gesegnet wird. Wir segnenden sollen vielmehr die Haltung eines knienden Kamels einnehmen. Lass dein Kamel niederknien! Wenn ich Gott preise – die andere Bedeutung von „baruch“, so mache ich ihn gross und mich daneben klein… Wenn ich dabei selbst ein grosses Kamel bin, dann muss ich dazu erst einmal auf die Knie gehen. Das Gleiche gilt wohl auch für den Segen. Segen bedeutet den anderen höher zu achten, als mich selbst.

Das stellt nun das Prinzip, dass ein Würdenträger eine Person oder mehrere Personen segnet ziemlich in Frage. Jeder von uns, der sein inneres Kamel niederknien lässt und dabei den zu segnenden höher achtet als sich selbst, kann segnen und ein Segen sein.

Share this post

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email