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Blasphemisch oder nicht?

René Caruso Graf

René Caruso Graf

In einer WhatsApp-Gruppe in der es über Gott und die Welt geht, wurde neulich dieses Bild gepostet.

Zudem hiess es im Bild: „Folter auf bayrisch.“

Kurz darauf entbrannte eine Diskussion darüber, ob man dieses Bild überhaupt lustig finden darf, oder ob es blasphemisch sei. Leute schrieben Dinge wie: „Sorry, ich find‘s nicht witzig!“, „Dem stimme ich zu. Ich finde, man soll kein Spass mit so einem wichtigen Thema machen.“ Und eine Person war gar der Meinung: „…finde ich gottesländernd, geht nicht, auch wenn die Bayern anscheinend stolz auf ihr Trinkvermögen sind!“ Andere fanden das Bild jetzt nicht so schlimm, aber eine wirkliche Begründung blieb aus, ausser dass Gott nicht humorlos sei.

Ich habe mir diese Frage auch gestellt, ob man eine solche Karikatur gut finden darf oder ob diese im Sinne eine Gotteslästerung zu verstehen sei und kam dabei zu dem folgenden Schluss:

Ich muss sagen, dass ich mit dem Bild nicht sonderlich ein Problem habe: Diese Grafik führt uns im Grunde vor Augen, dass wir doch oft an vielen anderen Dingen hängen, als jene, die unser Leben eigentlich beeinflussen sollten. Dabei bezeichnen wir völlig andere Dinge als „Folter“, als es damals in der Antike üblich war. Dieses Bild mit dem Mann am Kreuz und seinen beiden Kübeln Bier in der Hand, an die er sich klammert und die er keinesfalls loslassen will, an die er andererseits auch nicht rankommt, führt uns letztlich vor Augen, wie krass peinlich das eigentlich ist: Der Verzicht oder Entzug von Bier wird als Folter bezeichnet, während man eines der krassesten Folterinstrumente der Antike verniedlicht. Das zeigt sich schon darin, dass wir dieses Symbol als Schmuckstück um den Hals tragen. Ich spreche mich jetzt nicht vollkommen dagegen aus, doch bei vielen, welche das Kreuz in dieser Form herumtragen, hat das Kreuz an dem Jesus hing keinerlei Bedeutung mehr.

Übrigens hätte der Künstler dem Typen auch ein Smartphone in die Hand drücken können. Wie viele sehen das heute schon als Folter, wenn sie mal keinen Akku oder keine Internetverbindung haben und sich mal eben nicht auf Facebook, Instagram, Snapchat, etc. aufhalten können?

Ich denke es ist nur eine Frage in welcher Hinsicht wir dieses Bild betrachten. Wenn wir darin Jesus sehen, kann es schnell dazu führen, dass wir es als Blasphemie abtun. Wenn wir uns darin sehen und wir mal unsere „Foltergeräte“ hinterfragen, dabei jedoch erkennen, wie schwachsinnig das eigentlich ist – führt uns diese selbstkritische Reflexion vielleicht wieder näher ans Kreuz.

Karfreitag und Ostern

Nächsten Freitag gedenken wir besonders dem Tod von Jesus und am Samstag freuen wir uns, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und wir mit ihm leben dürfen. Ich wünsche uns allen, dass wir uns gerade in dieser Zeit kritisch prüfen, woran wir in unserem Leben hängen. Hat diese Botschaft vom Kreuz eine Auswirkung in unserem Leben oder halten wir es wie es Paulus an die Korinther schrieb indem er Jesaja zitiert?

Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!«

1. Korinther 15,3

Diese Frage muss letztlich jeder für sich beantworten.

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