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Neulich beim Griechen

René Caruso Graf

René Caruso Graf

In meinen Ferien waren Debby und ich zusammen essen. Eigentlich wollten wir zum Italiener, doch weil das Restaurant bereits völlig voll war, zog es uns zum Griechen. Das Essen dort war sehr lecker. Am Schluss bekamen wir die Rechnung in einer Karte präsentiert.

Oben prangerte ein griechisches Wort: ευχαριστούμε – „Wir bedanken uns.“ Als Substantiv kennen wir das Wort eher. Es lautet: Eucharistie. Das kennen wir von der Eucharistie-Feier von der katholischen Kirche her. In der evangelischen Kirche spricht man vom Abendmahl.

Zuhause dachte ich noch etwas über das Wort nach und plötzlich stach mir etwas ins Auge, was ich so noch nie wahrgenommen habe. In diesem Wort steckt ein ganz besonderes Wort χαρισ (charis), was man mit Gnade, Anmut, Geschenk, Lieblichkeit und Dank übersetzen kann. Plötzlich musste ich an ein Lied denken, das wir in der Sonntagsschule oft gesungen hatten: „Sing mit mir ein Halleluja“. Im Refrain heisst es dabei:

Sing mit mir ein Halleluja,
sing mit mir ein Dankeschön,
denn im Danken, da liegt Segen,
und im Denken preis ich ihn.

Der Koch vom Restaurant kommt aus Griechenland und hatte sich auch mit der altgriechischen Sprache beschäftigt. Er sagte mir, dass Altgriechisch einen sehr grossen Bedeutungsumfang hätte, der noch viel weiter reichen würde, als das heutige klassische Griechisch. Da sagte er mir sicher nichts Neues, doch gerade die Beschäftigung mit diesem Wort hat es mir wieder mal bestätigt.

Zurück zum Lied. Darin heisst es „im Danken, da liegt Segen“. Viel deutlicher als in der deutschen Sprache wird dies in der griechischen Sprache. Im Danken ist Gnade, Anmut, Geschenk, Lieblichkeit und noch einiges mehr enthalten. Von charis lässt sich auch chara = „sich freuen“ ableiten.

Oft hatte ich gerade in der Eucharestie- oder Abendsmahlfeier in der Kirche das Gefühl, dass die Stimmung meistens eher etwas gedrückt ist. Man ist ruhig, geht nach vorne, bekommt Brot und Wein. Dabei geht es darum was Jesus für uns getan hat und gerade das sollte eigentlich ein Grund zur Freude sein. Sie findet aber oft keinen grossen Ausdruck.

Die Juden wussten und wissen das Passafest (die Sederfeier) zu feiern. Das ist kein langweiliges Fest. Eucharistie sollte ebenso ein fröhliches Fest sein. Ein Fest an der man sich an die Gnade erinnert, die Gott an uns durch seinen Sohn erwiesen hat. Die Gnade geht dem Dank voraus. Und im Danken da liegt Segen, denn Gott freut sich, wenn wir an seine Gnade denken und ihm dabei danken.

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