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Warum lesen Männer weniger in der Bibel?

René Caruso Graf

René Caruso Graf

Frage von Ruedi Kündig:

Darf ich dich um Hilfe bitten, hättest du kurz Zeit für mich? Ich sollte einen neuen Vortrag machen zum Thema „Mann liest die Bibel“ und weiss nicht weiter. Schreibst du mir deine Sicht zur obigen Frage oder zu: „Auf welche Art lesen Männer denn gerne Bibel?“

Antwort

Ich denke das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier mal einige, die mir spontan eingefallen sind:

  1. Der Typ, der allgemein nicht gerne liest. Ja ich kenne solche Männer, die schlichtweg nicht gerne lesen. Da wird es natürlich auch mit der Bibel eine Herausforderung. Die Alternative wäre es die Bibel zu hören, es gibt da ja verschiedene Angebote.
  2. Auch wenn man die Unterscheidung von Männern und Frauen immer auch mit einem kritischen Auge betrachten muss, so gibt es doch gewisse Tendenzen. Ich würde mal sagen, mehrheitlich sprechen die Frauen eher auf der Gefühlsebene an, Männer in der Tendenz sind eher die Macher (früher die Jäger und Sammler). Damit will ich nicht sagen, dass es nicht auch Männer gibt, die besonders viele Gefühle verspüren und es nicht auch Frauen gibt, die zu den Machern gehören. Ich spreche hier nur von Tendenzen. Die Macher (sowohl Männer und Frauen) sollten daher die Bibel wann immer möglich handlungsorientiert lesen. (Kann aber auch der übrigen Leserschaft gut tun). Ich habe von einer Frau gehört, die kein Spass mehr am Bibellesen hatte. Der Pfarrer riet ihr, die Bibel bis zu einer Stelle zu lesen, wo sie der Eindruck hätte, dass sie etwas umsetzen müsste, dies sollte sie dann umsetzen und danach erst weiterlesen. Nach wenigen Wochen sagte sie ihm, dass es ihr nun wieder Freude betreiten würde. Das kann ein Schlüssel zum Erfolg sein. Denn da wo man Dinge anpackt und Erfolge erzielt, da kommt auch Freude rein.
  3. Der Plan oder Ziellose: Es braucht Ziele im Leben um weiterzukommen. Bibellesepläne sind das eine, aber es können auch ganz andere Ziele sein. Gerade wenn man bestimmte Fragen hat, kann es gut sein, die Bibel auch einmal auf ein Thema hin durchzulesen. Aus einer bestimmten Motivation die Bibel zu lesen kann ein Schlüssel sein. Daher sich auch mal die Frage stellen: Aus welcher Motivation heraus lese ich eigentlich die Bibel?
  4. Der überforderte Bibelleser: Man weiss vielleicht gar nicht wie man die Bibel lesen sollte. Es hatte ja nicht jeder Mann die Möglichkeit eine theologische Ausbildung zu machen. Dann wird man noch mit den unterschiedlichen Meinungen von unterschiedlichen Christen konfrontiert. Man ist vielleicht mit dem Inhalt überfordert, weiss nicht wie man die Texte einordnen soll. Selbst für den geübten Leser gibt es da ja noch viele Herausforderungen. Oder vielleicht setzt man sich auch die Ziele zu hoch und ist deshalb überfordert.

Einige Tips:

  • Die Eintönigkeit überwinden: Es gibt Leute die schaffen es, immer auf die eine Art und Weise die Bibel zu lesen und das ist sicher auch gut so, wenn es passt. Ich gehöre definitv nicht zu diesen Menschen. Ich brauche da viel mehr Abwechslung. Manchmal lese ich die Bibel auf ein Thema hin, manchmal chronologisch, manchmal nehme ich mir viele Farben zur Hilfe, manchmal lese ich ein einzelnes Buch oder einen Brief über längere Zeit immer und immer wieder durch, bis ich es mir verinnerlicht habe und man kann sagen, schon fast darin lebe.
  • Ziele SMART setzen. Welches konkrete (spezifische) Ziel möchte ich erreichen? Woran kann ich messen, ob und in welcher Form ich das Ziel erreicht habe? Wie will ich es erreichen (aktion)? ist das überhaupt realistisch? Bis wann (terminiert) will ich es erreicht haben?
  • Gemeinsam die Bibel lesen. Im Wort Gemeinsam steckt einsam drin und viele sind es gerade was das Bibellesen betrifft. Es macht sinn mit einem guten Freund, einer Freundin die Bibel zu lesen. Da erhält man auch Impulse von aussen. Wird sich Dingen bewusst, die man sich so noch nie überlegt hatte. Man kann gemeinsam die Texte reflekiteren und sich auch gegenseitig zum Bibellesen motivieren. Dabei dürft ihr auch gerne über eure Erfolge und Misserfolge sprechen.
  • Um Antworten ringen: Grösstes Problem in einer Konsumgesellschaft, wie ich meine: Wir denken wir könnten uns alles kaufen, bzw. uns von aussen her berieseln lassen. Wir müssen neu lernen, in Glaubensfragen nach Antworten zu ringen und nicht meinen, das würde sich alles von alleine klären. Das Denken können wir nicht einfach einigen Theologen überlassen. Das bringt uns nicht weiter.
  • Die Methode finden, die zu einem passt:
    • Ich persönlich kann mich schon damit motivieren, wenn ich anfangen eine Bibel nach gewissen Gesichtspunkten farbig anzustreichen: Bspw. alles was Gott sagt rot, was Menschen zu Gott sagen gelb, alles geografische grün unterstreichen, Zeitangaben orange unterstreichen, etc.
    • Dann gibt es sogar unter Männern solche, die hören sich sehr gerne reden und sie haben natürlich auch immer recht mit dem was sie sagen (nein, nein, da gehöre ich definitiv nicht dazu). Mein Tip: Die Zimmerwand ist ein geduldiger Zuhörer. Und die Bibel laut zu lesen kann dazu führen, dass man sie noch stärker verinnerlicht, denn du liest die Worte, du sprichst die Worte und gleichzeitig hörst du sie auch noch. Drei Sinne auf einen Schlag benutzt . Früher war es übrigens normal laut zu lesen, auch wenn man nur für sich las.
  • Aus einer dankbaren Haltung heraus lesen. Es gibt immer noch viele Menschen ohne Bibel in ihrer Sprache. In meinem Bücherregal stehen dutzende davon. Es gibt auch ungefähr 781 Millionen Menschen auf dieser Erde, die nicht lesen und schreiben können (rund 10% der ganzen Erdbevölkerung). Wir können es. Manchmal sind wir uns vielleicht auch zu wenig darüber bewusst, wie priviligiert wir doch eigentlich sind.
  • Und zum Schluss noch dies: Die Bibel betend lesen. Gott kann uns letztlich auch für Dinge die Augen öffenen, für die wir blind sind. Er kann uns mehr und mehr Erkenntnis schenken.

Ich wünsche dir gutes Gelingen für deinen Vortrag, seine Weisheit, seinen Segen und vielleicht kannst du auch den einen oder anderen Gedanken von mir brauchen.

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