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Der Osterhase

René Caruso Graf

René Caruso Graf

Wieder einmal bewegt eine Frage die Christenheit:

Was hat bitte ein Hase der Eier bringt mit dem Tod von Jesus zu tun?

Also warum der Hase die Eier bringt ist mir (noch) ein Rätsel. Aber zumindest kam mir heute auf dem Weg zum Büro im Zug ein Gedanke zum Hasen:

Der Hase gilt im Alten Testament neben etlichen anderen Tieren als unrein (z.B.: 3. Mose 11,6). Doch auch wir, die wir nicht zum jüdischen Volk gehören, wurden als Heiden bezeichnet. Und was das gerade bei orthodoxen Juden zur Folge hat, konnte ich in Israel spüren. Da stand ich in Jerusalem im Lift, die Türe öffnete sich, ein orthodoxer Jude machte einen Schritt auf den Lift zu und als er mich sah, blieb er stehen. Es machte für mich den Eindruck als wollte er jeden Kontakt mit Heiden vermeiden. Jesus hat die Brücke von den Juden zu den Heiden geschlagen. Es spielt keine Rolle mehr, zu welchem Volk wir gehören, bzw. wir gehören alle zu seinem Volk. Bezogen auf den Hasen: Was früher als unrein galt, das wird durch Jesus Christus gereinigt und somit rein.

Die zweite Stelle, an der der Hase in der Bibel vorkommt ist 5. Mose 14,7:

Diese Tiere aber sollt ihr nicht essen unter denen, die wiederkäuen oder die gespaltene Klauen haben: das Kamel, den Hasen und den Klippdachs, die wiederkäuen, deren Klauen aber nicht ganz durchgespalten sind; darum sollen sie euch unrein sein.

Dort geht es eigentlich um das gleiche. Doch noch etwas wurde mir bewusst. In beiden Abschnitten wird der Hase auch zusammen mit dem Klippdachs erwähnt. In Israel sah ich einige davon. Hasen sind mir jedoch nicht begegnet. Unser Reiseleiter meinte, als er zwei Klippdachse oben auf einem Gebäude entdeckte:

„Diese Tiere frönen ein schönes Dasein. Sie fürchten sich vor niemandem. Weil sie als unrein gelten, will die niemand töten und essen.“

Ich finde das noch ein schönes Bild. Wir gelten jetzt zwar nicht mehr als „unrein“ vor Gott – wie so wie auch dieses Tier bis heute bei den Juden als unrein gilt, und trotzdem müssen wir uns nicht mehr vor dem Tod fürchten, denn dieser kann uns nichts mehr anhaben.

Wie ich in Jerusalem keine Hasen sah, so sah ich bisher hier in der Schweiz auch keinen freilebenden Klippdachs. Hasen habe ich allerdings schon gesehen. Und wenn ich nächstes mal an Ostern einen Hasen erblicke (einen aus Schokolade oder auch einen freilebenden übers Feld hoppelnden Hasen), dann danke ich Gott meinem Vater, dass ich nicht mehr zu den unreinen Heiden gehöre, sondern zu seinem heiligen Volk, und dass ich kein Fremder mehr bin, sondern einer mit einem himmlischen Bürgerrecht. Und ich danke ihm dafür, dass ich wie ein Hase im Frühling zu neuem Leben erweckt wurde und sprichwörtlich übers Feld hüpfen darf.

Und in Zukunft denke ich nochmals über die Eier nach, für diese war die Fahrt ins Büro zu kurz.

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