Roland Werner ist gemeinsam mit seiner Frau Elke Werner Mitgründer des ChristusTreff (CT) in Marburg, das letztes Wochenende seinen 40. Geburtstag gefeiert hat. Roland Werners Pioniergeist machte bei der Gründung nicht Halt – als ehemaliger Vorsitzender des Christivals und jetziger Vorsitzender von proChrist gestaltet er aktiv daran mit, das Evangelium in die Welt zu tragen. Eine Festschrift von Dominik Klenk.

Konjugationen

Unregelmäßige Verben können einem Respekt abverlangen. Sie sind nicht so einfach zu bändigen, wie die regelmäßig konjugierten. Gleichzeitig machen sie die Sprache in besonderer Weise lebendig. In der christlichen Sprachfamilie verkörpert der Christus-Treff eine solche lebendige Unregelmäßigkeit: Er ist eine Gemeinde, aber keine klassische Parochie. Man hält sich zum reformatorischen Erbe der Kirche, ist aber ökumenisch ausgerichtet. Während man selbstverständlich unter Inanspruchnahme der Geistesgaben betet, schöpft man tief aus den Quellen der Kirchengeschichte. Heute, wo das jüdisch-christliche Fundament unserer Kultur gerne schon mal als «rechtskonservative Provokation» angesehen wird, lehrt der CT in Predigten und Seminaren genau diese Fundamente und unterhält selbstbewusst eine Dependance mitten im Zentrum von Jerusalem.

Rote Punkte

Das sichtbare Netzwerk des CT als Mitträger und Initiator von evangelistischen Events in den letzten 40 Jahren ist beeindruckend: ProChrist, Christival und Jesushouse sind nur drei von einem prallen Dutzend Initiativen, in die der CT eingewoben ist. Man entwickelte schon früh neue Gottesdienstformate, den erlebnispädagogischen Bibelparcours und Glaubenskurse auf unterschiedlichen Einstiegs-Niveaus. Die geistlichen und seelsorgerlichen Impulse von Roland und Elke Werner, von Guido und Steffi Baltes, von Markus Heide und vielen Anderen prägen bis heute Menschen und führen sie geistlich in die Weite und in die Tiefe. Und so ist parallel zum äußerlich sichtbaren ein unsichtbares Netzwerk des CT entstanden: Im Durchlauf von jungen Menschen, die in den vergangenen 40 Jahren durch die Begegnung mit dem CT in Marburg, Berlin, Jerusalem oder anderswo inspiriert und geprägt wurden. Es müssen Tausende sein, die ein Stück CT-DNA aufgenommen haben. Wenn man all jene als «roten Punkt» auf der Landkarte markieren könnte, dann würden wir staunen, an wie vielen Stellen und mit welcher Reichweite die CT-geprägten Ausläufer und Weitersager heute wirksam sind.

Übergänge

Die Biografien von geistlichen Gemeinschaften sind ein Genre, das noch in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem ist es offensichtlich, dass die Gestaltung von Übergängen hier eine zentrale Rolle spielt: im Generationswechsel, im Leiterwechsel, im Weitergehen nach Brüchen und im Umgang mit der epochalen Zeitenwende, in der wir ohnehin stehen. In solchen sensiblen Zeiten ist es nicht immer ratsam, mit Vollgas weiterzufahren, denn «Reichweiten» und «Geschwindigkeit» sind vielleicht nicht die richtigen Kriterien für ein gelingendes Hinüberschreiten ins Neue. Stattdessen vielleicht das Besinnen auf das Gewordensein, auf das Origo der Inspiration, auf das Grundcharisma der Anfänge und auf die theologischen Referenzpunkte. Angesichts der gewürdigten und verinnerlichten Herkunft sitzt einem das Kommende quasi schon im Nacken. Denn «Klarheit kommt aus der Stille, Mut aus der Geschichte, Hoffnung aus der Zukunft» (Horst-Klaus Hofmann).

Leere Hände

In solchen Übergangs-Zeiten ist man oft versucht, auf vermeintlich Vorzeigbares zu setzen: auf Dinge oder Aktionen, die cool sind, woke, transformativ, oder die versuchen, die Postmoderne christlich zu dressieren. Vielleicht könnte eine ganz unspektakuläre Haltung zwischenzeitlich mehr austragen: leere Hände. Die Bereitschaft, innerlich und im Gebet einmal das für den Moment loszulassen, was beschäftigt. Es Gott noch einmal hinlegen, so dass er die Sichtweise auf Bewährtes verändert oder bestätigt und vielleicht auch Neues hinzulegt. Das allerdings wäre der Weg für eine Gefährtenschaft, die neu und gemeinsam hinhorcht und die sich noch einmal darin vergewissert, dass sie alles, was kommen soll, Gottes Fürsorge überantwortet. Die innere Grundhaltung, die ein solches Wachstum begünstigt und letztlich austrägt, hat Zinzendorf bereits hilfreich vorformuliert: «Herr mach, dass ich sorgenfrei und doch sorgsam sei.»

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.