Rebecca Krämer spricht mit Carlo Meier, einem der erfolgreichsten Jugendkrimiautoren im deutschsprachigen Raum. Carlo erzählt uns, wie sein erstes Buch der Kaminski-Kids-Reihe aus einer Not heraus entstanden ist, warum seine Bücher über Jahrzehnte relevant bleiben und mit welcher Motivation er nach über 20 Jahren immer noch Bücher schreibt. 

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Rebecca: Carlo, du bist ein lang bewährter und geschätzter Autor bei Fontis. Hast du denn mitgezählt: Wie viele Bücher hast du insgesamt geschrieben und veröffentlicht?

Carlo: Als ich das letze Mal gezählt habe, waren es 30. Jetzt sind wieder 1-2 dazugekommen. Ich verliere so langsam den Überblick. Es sind schon so viele, und es sind auch Drehbücher für Film und Fernsehen dabei, u. a. für einen Tatort im Schweizer Fernsehen. 30 sind es mindestens.

Das sind ganz schön viele! Du hast die Kinder- und Jugendkrimireihe „Die Kaminski-Kids“ geschrieben, die sehr bekannt sind und auch zu den erfolgreichsten Büchern im deutschsprachigen Raum gehören. Die Kaminski-Kids gibt es schon seit über 20 Jahren. Wann kam dein erster Band raus und wie hat alles angefangen? Kannst du dich daran noch erinnern?

Ja klar. Der erste Band ist im Februar 1999 erschienen. Das sind doch schon 23 Jahre her. Auf die Idee, einen Kinderkrimi zu schreiben, bin ich nicht selbst gekommen, sondern meine Kinder. Ich habe ihnen damals oft abends aus irgendeinem Buch vorgelesen. Und dann hatten wir einmal kein Buch mehr und haben uns gefragt: «Was machen wir jetzt?» Und dann sagten die Kinder zu mir: «Schreib doch selber eins!» Und so ist es dann zum ersten Band gekommen. Sie hatten auch die Idee, dass die drei Hauptfiguren drei Kinder sein könnten, zufälligerweise zwei Mädchen und ein Junge, wie sie selbst, und auch zufälligerweise genau gleich alt wie sie selbst. Und das war für mich als Autor auch eine große Hilfe, weil ich keine Figur erfinden musste, sondern wenn der Simon-Kaminski etwas macht, dann konnte ich meinen Sohn beobachten, was er in dieser Situation tun würde. Meine drei Kinder haben bis zum fertig geschriebenen Buch mitgeholfen, die Geschichte auszudenken, und sie haben mir Korrekturen vorgeschlagen, wenn ich ihnen das jeweilige neue Kapitel vorgelesen habe. Die waren von A-Z wirklich dabei und so ist der erste Fall entstanden, «Übergabe drei Uhr morgens».

Hast du deine Kinder in den nächsten Bänden auch mit in den Entstehungsprozess genommen, oder war das nur beim ersten Band so?

Bei den ersten Bänden waren sie genau gleich stark involviert. Jeder Band hat ein bestimmtes Thema, z. B. Mobbing in der Schule, später kommen dann Themen wie «Internetgefahren» oder «Drogen» hinzu. Gerade bei dem Band, wo es um Mobbing in der Schule ging, waren sie stark involviert. Später, als sie dann größer wurden, haben wir dann andere Kinder ins Team geholt. Die brauche ich auch heute noch, es ginge nicht ohne Kinder und Jugendliche, die da mithelfen. Die Geschichten müssen so nah an den Kindern dran sein – das möchte ich so – weshalb ich auf die Unterstützung von Kindern angewiesen bin. Man kann auch meiner Webseite die Rubrik «Autorenteam» öffnen und dann sieht man die Kinder und Jugendlichen, die mithelfen, und die Leute von der Kripo und die Themenfachleute, die mithelfen und bei denen ich recherchiere. Es lohnt sich, hier reinzuschauen! Auf dem Buch steht am Schluss nur noch mein Name, aber diese Leute sind sehr wichtig. Meine Bücher wären niemals so gut wie sie sind ohne diese Leute.

Von deinem ersten Band 1999 bis heute hat sich sehr viel getan. Du hast einen Band nach dem anderen geschrieben. Wie schon erwähnt, sind es heute schon 20 Stück. Hast du damit gerechnet, dass es mal so viele werden?

Nein, überhaupt nicht. Beim ersten Band war nur ein Buch gedacht. Wir dachten, es bleibt bei diesem einen. Dann haben aber immer mehr Leute in den Buchhandlungen gefragt, ob es noch mehr von den Kaminski-Kids-Büchern gibt. Der Lektor Christian Meyer hat mich gefragt, ob wir noch weiter machen. Meine Kinder haben gesagt: «Na klar!» und so kam dann Band 2 und Band 3. Aber dass es am Schluss so viele werden würden, hätte ich nie gedacht.

Es ist schön, dass die Nachfrage so groß war, dass du weiter gemacht hast. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Du hast ein ganzes Team, dass in deinem Schreibprozess involviert ist. Du besprichst immer sehr aktuelle oder relevante Themen und baust diese so geschickt ein, dass die Leserinnen und Leser neue Zusammenhänge lernen können und sich in ihrer Welt abgeholt fühlen. Wie kommst du auf solche Themen und wen beziehst du an der Recherche mit ein? Sind das Bekannte oder suchst du dir spezifisch für das Thema Leute, die dich unterstützen?

Durch meine vielen Lesungen in den Schulen hatte ich schon 10.000 Kinder vor mir. Hierdurch bin ich immer am Puls dran, was die aktuellen Themen sind. Wir schauen immer, dass wir für den neuen Band ein Thema haben, das gerade relevant ist. Und dann suche ich die Fachleute, die mir weiterhelfen können. Ein Beispiel unter vielen war beim Band «Gefahr in Amsterdam», wo es um die Ecstacy-Droge geht. Da habe ich mit dem Leiter vom Amsterdamer Drogendezernat per E-Mail einen Termin vereinbart. Als ich dann in Amsterdam war, hat er sich den ganzen Nachmittag frei genommen, um mir meinen 7-seitigen Fragenkatalog zu beantworten. Der Mann war wirklich ein Top-Spezialist, er war schon dabei, wie sie Drogenküchen ausgehoben hatten und Banden verhaftet hatten. Das ist ein Beispiel, wie ich mir meine Fachleute heraussuche. Das ist ein ganz schön spannender Teil meiner Arbeit! An solche Leute kommt man nicht einfach so ran, aber die Arbeit an einem Buchthema, das recherchiert wird, öffnet Türen. Ich suche bei jedem Band immer wieder entsprechende Fachleute heraus, die am meisten Infos und Erfahrungswerte reinbringen können. Die erzählen mir dann Storys, die wirklich passiert sind in ihrem Bereich, und von diesen Storys kann ich einige auch in den Büchern verwenden. Das heißt, dass in jedem Buch auch Geschichten zu finden sind, die wirklich passiert sind. […]

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