Das Thema „segnen“ geht in die nächste Runde. Es ist immer wieder spannend, mich mit meinem guten Freund und Judaistik-Experten (obwohl er sich selbst wohl nicht so bezeichnen würde) zu unterhalten und den unterschiedlichsten Wortbedeutungen nachzugehen.

Heute ging’s um’s segnen.In Genesis 24,11 gibt es eine Stelle, da steht das hebräische Wort „barak“, welches sehr oft für „segnen“ steht, für „niederknien“. Dort heisst es:

„Er (der Knecht Abrahams) liess die Kamele niederknien.“

Genesis 24,11

Es tut mir so leid, aber ab jetzt kann ich keine Person mehr segnen, ohne dabei nicht an ein Kamel zu denken 😂. Danke für den Martin.

Doch aus so witzigen Gesprächen ergeben sich auch völlig neue Fragen und neue Gedankengänge. Oft steht das Wort baruch nämlich auch in Bezug auf Gott. Fast jedes Gebet beginnt bei den Juden mit „Baruch ata Adonai…“ was übersetzt heisst: „Gesegnet sei der HERR“.

Wie können wir denn bitte Gott segnen? Geht das überhaupt? Übersetzt wird es ins Deutsche in der Regel mit „Gepriesen sei der HERR“. Doch ich finde den Gedanken mit segnen auch irgendwie schön. Segnen bedeutet ja vor allem, jemandem wohlgefällig sein, ihm etwas Gutes tun, ihn zu beschenken, sich um ihn sorgen, ihm das Beste zu wünschen.

Wenn ich Gott segne, dann bin ich ihm wohlgefällig, dann handle ich in guten Absichten, dann beschenke ich ihn. Preisen bringt das Loben zum Ausdruck, es beschreibt vielleicht meine Haltung vor Gott. Segnen geht für mich noch tiefer, denn es umfasst nicht nur Worte, sondern auch Taten. Zurück zu den Kamelen: „Er liess seine Kamele niederknien“, kann man in dieser Hinsicht vielleicht auch übertragen verstehen. In diesem übertragenen Sinne geht es natürlich nicht darum, dass das Kamel gesegnet wird. Als segnender wird man selbst zum Kamel, das sich niederkniet. Wir die segnen, sollen die Haltung eines knienden Kamels einnehmen.

Lass dein Kamel niederknien! Wenn ich Gott preise – die andere Bedeutung von „baruch“, so mache ich ihn gross und mich daneben klein… Wenn ich dabei selbst ein grosses Kamel bin, dann muss ich dazu erst einmal auf die Knie gehen. Das Gleiche gilt auch für den Segen. Segnen bedeutet, den anderen höher zu achten, als sich selbst. Das stellt das Prinzip, dass ein Würdenträger eine Person oder mehrere Personen segnet ziemlich in Frage.

Jeder von uns, der sein inneres Kamel niederknien lässt und dabei den zu segnenden höher achtet als sich selbst, kann segnen und ein Segen sein. Und wenn Gott uns segnet? Dann tut er im Grunde das Gleiche. Er beugt sich zu uns runter. Er nimmt eine dienende Haltung ein. Er beschenkt uns. Er verzichtet auf seine Vorrechte. Das hat er in Jesus Christus bewiesen.

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